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Gülle

Gülle – mögen Sie es politisch korrekt oder doch lieber realistisch?

von Friedrich Dönges

Wenn im Allgäu von Frühling bis Herbst schönes Wetter herrscht, kommt man immer wieder in den Genuss frischer Landluft mit einem Aroma von Dung. Dies kommt daher, dass in diesen Jahreszeiten die Landwirte einen natürlich anfallenden Wirtschaftsdünger auf ihren Wiesen ausbringen. Dieser Dünger wird auch Gülle1 genannt und besteht hauptsächlich aus Abfallstoffen der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung wie Urin und Kot.

In unserer unmittelbaren Nachbarschaft befindet sich eine solche landwirtschaftlich genutzte Wiese. Auf ebendieser Wiese geht unser schwarzweißer Kater regelmäßig auf Mäusejagd. Schließlich nichts Ungewöhnliches. Im Gegensatz zu seinen sonstigen nächtlichen und auch täglichen Ausflügen brachte er neulich nicht nur eine tote Maus mit, sondern auch einen Teil der frisch ausgebrachten Gülle unseres Nachbauern. Nun hatten wir nicht nur die Landluft auf der Wiese, sondern auch in unserem Wohnzimmer. Unser Kater war auch nicht mehr schwarzweiß, sondern schwarzbraun. Abwaschen ging nicht, da er sich eine solche körperliche Reinigungstortur nicht kampflos gefallen lässt. Also rieb ich Ihn soweit es ging, trocken, gab ihm wie üblich um diese Uhrzeit etwas zu fressen und schickte ihn wieder nach draußen. Ich bot ihm auch noch unser reines Trinkwasser an, welches er jedoch verschmähte. Als er eine oder zwei Stunden später wieder nach Hause kam, war er wieder schwarzweiß, hatte aber noch immer einen guten Teil Dung-Aroma im Fell. Der arme Kerl tat mir sehr leid, denn wenn ich mir vorstelle, was sein Verdauungssystem mit diesem Fäkalien-Dreck alles wegstecken muss, so wird mir ziemlich elend zumute.

Noch mehr wird mir bange, wenn ich mir vorstelle, dass durch diese Gülle, die ja zunächst einmal positiv gedacht als Dünger dient, zunächst ins Grundwasser absickert und dann über kurz oder lang uns Menschen als Trinkwasser wieder zur Verfügung gestellt wird. …und spätestens hier wird es definitiv ernst, denn auf seinem Weg nach unten verwandelt sich der Dünger in Nitrat, welches bereits ab 2,46 Milligramm pro Liter das Krebsrisiko um das 2,83fache ansteigen lässt. Dies wurde bereits 2001 in einer Studie der Universität von Iowa2 mit ungefähr 16500 Frauen im Alter zwischen 55 und 69 Jahren festgestellt3.

Eigentlich ist diese Stickstoffverbindung für den Menschen nicht gesundheitsschädlich, doch wird Nitrat in unserem Körper unter anderem in Nitrit umgewandelt. Eine der bekanntesten und ernst zu nehmenden Wirkungen des Nitrits ist die Auslösung der Säuglingsblausucht (Methämoglobinämie). Diese Erkrankung hat ihren Namen von der sich bei einer Vergiftung einstellenden bläulichen Verfärbung der Lippen und Haut des Säuglings.

Dieser Effekt rührt daher, dass das Nitrit den roten Blutfarbstoff (das Hämoglobin) blockieren kann. Hämoglobin transportiert normalerweise den über die Lunge eingeatmeten Sauerstoff zu den Zellen. Wenn Nitrit das Hämoglobin allerdings blockiert hat, droht dem Säugling akute Erstickungsgefahr.

Warum sind nur Säuglinge betroffen?

Diese Problematik betrifft Säuglinge bis etwa zum sechsten Lebensmonat. Säuglinge sind besonders gefährdet, da bei ihnen das Schutzsystem, das den blockierten Blutfarbstoff wieder in die sauerstofftransportierende Form umwandeln kann, noch nicht vollständig ausgebildet ist.
Außerdem besitzen Säuglinge in den ersten Lebensmonaten noch sehr wenig Magensäure. Dieser verhindert zum Beispiel bei einer Darmerkrankung oder bei keimhaltiger Nahrung eine Besiedelung des Dünndarms mit Bakterien, welche Nitrat zu Nitrit umwandeln können.

Was erlaubt ist

Erlaubt sind gemäß unserer Trinkwasserverordnung 50 Milligramm pro Liter. Diese Menge entspricht etwas mehr als dem Fassungsvermögen eines Fingerhuts. Wie Gülle aussieht, kann sich sicher jeder vorstellen – aber nun stellen Sie sich einmal vor, Sie würden bei einem angenommenen Verbrauch von nur 2 Litern täglich einen solch gefüllten Fingerhut in Ihrem täglichen bestgeprüften Lebensmittel trinken – und Sie könnten das auch noch sehen! Bei meinem zuletzt durchgeführten Trinkwassertest in der unmittelbaren Nachbarschaft kam ich vor zwei Tagen auf eine Nitratmenge von 5,6 Milligramm pro Liter. Man könnte meinen, da sei noch viel Luft nach oben. Nun, das ist Ansichtssache, und die Werte schwanken ja auch von Zeit zu Zeit. Oft auch gegen Null. Allerdings fand ich bei meinen Recherchen heraus, dass nach der US-amerikanischen Trinkwasserverordnung National Primary Drinking Water Regulations vom Mai 20094 dort gerade einmal 10 Milligramm pro Liter erlaubt sind. Halten wir Deutschen wirklich so viel mehr aus als die Amerikaner?

Das Nitratproblem in Deutschland rührt nicht nur von der Gülle her

Bereits 2012 berichtet Zeit online5, dass auch Gärreste aus Biogasanlagen, welche auf den Äckern ausgebracht werden, zu diesem Nitratproblem beitragen.

Zu guter Letzt

In unserem Wasser befinden sich etwa 2000 Fremd- und Schadstoffe, welche von unseren Wasserwerken und Kläranlagen in hervorragender Arbeit, so gut es geht, ausgefiltert werden, sonst bekämen wir sicherlich vielerorts wirklich eine rostbraune Brühe zum Trinken. Einhundert Prozent gibt es aber nicht, zumal wir nicht nur ein Klimaproblem, sondern zunehmend auch ein Umweltverschmutzungsproblem bekommen.

Politisch korrekt oder realistisch?

…und wenn Sie dann noch Fragen haben, bieten wir Ihnen eine Lösung an.

Quellen und weiterführende Informationen
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